. Für ‘Newcomer’ in Sachen Orthodoxie: Zwölf Dinge, die ich besser gewusst hätte ... Der erste Besuch in einer orthodoxen Kirche von Frederica Mathewes-Green Frederica Mathewes-Green ist ein Autorin mit breit gestreuten Interessen, deren  Arbeiten in so unterschiedlichen Publikationen erscheinen wie der Washington Post,  Christianity Today, Smithonian, der Los Angeles Times, First Things, Books and  Culture, Sojourners, Touchstone und dem Wall Street Journal. Sie ist regelmäßige  Kolumnistin auf Beliefnet.com, einem Web-Magazin für unterschiedliche  Glaubensrichtungen. Nicht zuletzt ist sie bekannt geworden durch ihre Sendungen auf  ANCIENT FAITH RADIO, aktuell durch ihr Podcast ‘Frederica Here and Now. Sie lebt mit ihrem Mann, Vater Gregory Mathewes-Green, in Baltimore MD, wo dieser als Pfarrer und sie selbst als ‘Khouria’ (’Matuschka’) in der Gemeinde wirken, die sie gegründet haben, der Holy Cross Orthodox Church. Ihre  drei Kinder sind erwachsen und verheiratet und sie haben 9 Enkelkinder. Der orthodoxe Gottesdienst unterscheidet sich (sehr) von anderen, Einige dieser  Unterschiede sind offensichtlich, wenn nicht bestürzend, und das vom ersten Moment  an, da du die Kirche betrittst; andere erkennt man erst mit der Zeit. Hier sind einige  Hinweise (ein paar Hilfestellungen), die Dir helfen können, dich in einem orthodoxen  Gottesdienst besser zurechtzufinden: Zwölf Dinge, die ich besser gewusst hätte, ehe ich  das erste Mal eine orthodoxe Kirche besuchte.   1. Was bedeutet diese ganze "Unruhe"?    Im anfänglichen Stadium des Gottesdienstes scheint es, man befinde sich in einem  großen Tohuwabohu: Leute, die nach vorne gehen und vor der Ikonostase (der Bilderwand  vor dem Altar) beten, Gegenstände küssen und Kerzen anzünden, und das, obwohl der  Gottesdienst schon voranschreitet. In der Tat, wenn du hereinkommst, ist der  Gottesdienst bereits im Gange, obwohl ein Schild vor der Tür deutlich sagt: "Göttliche  Liturgie 10.00 h" - Es ist dir peinlich, offensichtlich zu spät zu sein, aber es kommen  sogar Leute noch später und sie gehen überall in der Kirche umher. Was geschieht hier?     In einer orthodoxen Kirche gibt es am Sonntag nur eine Eucharistiefeier (Göttliche  Liturgie) und ihr geht ein längerer Gottesdienst aus dem nächtlichen Stundengebet  (Matutin) oder dem Morgengebet (Laudes i.e. Orthros) der Kirche voraus; hinzu kommen  einige vorbereitende Dienste. Es gibt keine Unterbrechungen zwischen diesen Gottes-  diensten: der eine beginnt, sobald der vorhergehende endet und die angegebenen  Anfangszeiten sind nur aus der Erfahrung geschätzte. Aufs Ganze gesehen wird also der  Priester am Sonntagmorgen mehr als drei Stunden am Alter zubringen; "er steht in der  Flamme", wie es ein orthodoxer Priester einmal versucht hat deutlich zu machen.    Als Ergebnis dieses Zustandes eines fortwährenden Flusses gibt es keinen Zeitpunkt zu  dem jedermann ruhig in einer Kirchenbank sitzt und, mit einem flüchtigen Blick auf seine  Armbanduhr, ob es schon 10.00 h ist, darauf wartet mit dem Eröffnungslied zu beginnen.  Orthodoxe Gottesdienstbesucher kommen zu beliebiger Zeit dazu, zwischen dem Beginn  der Matutin oder des Orthros und dem frühen Stadium der Liturgie, eine Zeitspanne von  gut mehr als einer Stunde. Ganz gleich wann sie dazukommen, irgendetwas ist sicherlich  schon im Gange, deshalb lassen sich auch Orthodoxe nicht von den persönlichen Gebeten  abhalten, die beim Betreten einer Kirche üblich sind. Dies wirkt für Neulinge oft störend  und mag sogar respektlos erscheinen, aber schon bald erkennt man es als einen Ausdruck  des Glaubens, der nicht lediglich formal bleibt, sondern sich sehr personal ausdrückt  Natürlich gibt es keine stichhaltige Entschuldigung dafür, später als 10.00 h zu  erscheinen, aber Pünktlichkeit gehört unglücklicherweise nicht zu den hervorstechen-  dsten Tugenden eines Orthodoxen.   2. Stehen ist Stehen für Jesus    In der orthodoxen Tradition (also gemäß der frühesten christlichen Überlieferung, Anm.  d. Übers.) stehen die Gläubigen während beinahe des gesamten Gottesdienstes. In  einigen orthodoxen Kirchen findet man in der Tat keinen einzigen Stuhl außer vielleicht  einigen verstreuten am Rand des Raumes für diejenigen, die sie benötigen. Es gibt  natürlich in der Praxis Ausnahmen: einige Gemeinden, besonders diejenigen, die bereits  vorhandene Kirchengebäude übernommen haben, besitzen Kirchenbänke, die auch  genutzt werden. Wie dem auch sei, wenn sie das gebotene Stehen als eine zu große  Herausforderung empfinden, dürfen sie sich gerne setzen. Niemand wird etwas sagen  oder es überhaupt zur Kenntnis nehmen. Längeres Stehen wird mit der Zeit leichter  fallen.   3. In diesem Zeichen.   Zu behaupten, wir bekreuzigten uns ständig, wäre eine Untertreibung. Wann immer die  Trinität (Dreieinigkeit) angerufen wird, bezeichnen wir uns mit dem Kreuzzeichen; wann  immer wir das Kreuz oder eine Ikone verehren, und bei vielen anderen Gelegenheiten im  Verlaufe der Liturgie, bekreuzigen wir uns. Aber man erwartet nicht, daß alle es in der  gleichen Weise tun. Manche bekreuzigen sich dreimal hintereinander, andere berühren  am Ende mit ihrer rechten Hand den Boden. Wenn man zu Beginn eine Kirche betritt,  kann man an die Ikonen herantreten, macht zweimal eine "Metanie" (d.h. bekreuzigt sich   selbst, verbeugt sich und berührt mit der rechten Hand den Boden), dann küsst man die  Ikone und macht eine weitere Metanie. Dies wird einem mit der Zeit vertraut, aber  zunächst mag es einem wie ein Geheimzeichen zur Begrüßung vorkommen, das man nicht  kennt und daher mit Sicherheit falsch macht. Keine Sorge, keiner ist gezwungen, es  exakt genauso zu machen.     Wir schlagen das Kreuz mit der rechten Hand von der Stirne zu Brust und dann, anders  als die Katholiken und die hochkirchlichen Protestanten, von der rechten zur linken  Schulter (antippen, nicht ziehen) und halten unsere Hand in der folgenden (vorge-  schriebenen) Weise: den Daumen und die Fingerspitzen von Zeige- und den Mittelfinger  pressen wir zusammen und die beiden anderen Finger drücken wir in die Hand. Hier, wie  bei vielen anderen Gelegenheiten zeigt sich das orthodoxe Bestreben, bei allem was wir  tun unseren Glauben mit Nachdruck zu bekennen. Erkennen Sie die Bedeutung? (Drei  Finger zusammen stehen für die Trinität; die zwei Finger, die die Hand berühren stehen  für die zwei Naturen Christi und seine Herabkunft auf die Erde). Dies braucht ebenfalls  Übung. Die ungenaue Anordnung der Finger zu Anfang wird Sie nicht zu einem Häretiker  machen!   4. Was, kein Knien? Im Allgemeinen knien wir nicht. Manchmal werfen wir uns nieder. Dies geschieht aber  nicht wie in der Römisch-Katholischen Tradition, flach ausgestreckt auf dem Boden  liegend.Wenn wir uns niederwerfen, setzen wir unsere Handflächen auf den Boden und  berühren mit unserer Stirn den Boden zwischen den Händen. Für Menschen aus dem  Westen erscheint es ähnlich den Bildern nahöstlicher Gottesdienste, wie ein Woge von  Hinterteilen. Zuerst ruft eine solchen Weise des Niederwerfens vielleicht peinliche  Gefühle hervor, aber niemand der Anwesenden ist peinlich berührt und nach einer Weile  legt sich dieses Gefühl. Die Damen werden merken, dass man für das Niederfallen am  besten lange Röcke trägt, ebenso wie flache Schuhe für das Stehen.  Manchmal geschieht das Niederwerfen, um sofort wieder aufzustehen, wie während des  Gebetes des hl. Ephräm des Syrers, das häufig während der Fastenzeit gebetet wird. Bei  anderen Gelegenheiten werfen wir uns nieder, um dort eine Zeit zu verweilen, wie es in  manchen Gemeinden während eines Teils des Eucharistischen Hochgebets üblich ist.  Nicht jeder wirft sich nieder. Einige knien, eine stehen mit gebeugtem Kopf; in einer  Kirchenbank rutschen sie vielleicht nach vorne und sitzen vornübergebeugt. Ehr-  fürchtiges Stehen ist ebenfalls in Ordnung. Niemand wird Notiz davon nehmen, wenn du  dich nicht niederwirfst. In der Orthodoxie gibt es eine weitreichendere Akzeptanz  individuellen Ausdrucks von Frömmigkeit, viel mehr als der Gedanke, dass andere Leute  dich beobachten und sich beleidigt fühlen könnten, weil du dich falsch verhältst.  Ein ehemaliger Priester der Episkopalkirche bemerkte einmal, als er Menschen gesehen  habe, die sich niederwarfen, brannte er darauf Orthodox zu werden.   5. Mit Liebe und Küssen Wir küssen materielle Dinge. Wenn wir die Kirche betreten, küssen wir die Ikonen (die  Ikone Jesu Christi an seinen Füßen, die der anderen Heiligen an den Händen,  idealerweise). Du wirst auch bemerken, dass einige den Kelch bei der Kommunion  küssen, einige küssen den Saum des priesterlichen Gewandes, wenn er vorrübergeht, die  Ministranten küssen die Hand des Priesters, wenn sie ihm das Weihrauchfaß reichen und  wir alle stellen uns am Ende der Liturgie auf, um das Kreuz zu küssen. Wenn wir sagen,  dass wir etwas "verehren", meinen wir gewöhnlich, dass wir uns bekreuzigen und es  küssen.  Wir küssen einander, ehe wir die Kommunion empfangen ("Grüßt einander mit dem Kuß  der Liebe," 1Petr 5,14). Wenn römisch-katholische oder hochkirchliche Protestanten sich  den Friedensgruß geben, dann umarmen sie sich, schütteln sich die Hände oder zwicken  sich in die Wange; auf diese Weise begrüßen sich westliche Menschen. In der Orthodoxie  sind verschiedenene Kulturen im Spiel: Griechen und Araber küssen sich auf beide  Wangen, Slawen küssen die eine Wange ein drittes Mal. Richte dich nach denen um dich  herum und vermeide, dass die Nasen aneinanderstossen.   Der gewöhnliche Gruß lautet: " Christus ist in unserer Mitte" und die Antwort darauf ist:  "Er ist es und er wir es sein". Mache dir keine Sorgen, wenn du vergißt, etwas zu sagen.  Diese Art zu grüßen hat nichts gleichwertiges mit dem Gruß der Episkopalen "Der Friede  des Herrn sei mit dir". Noch bedeutet es "Hi, eine schöne Kirche habt ihr hier". Der  Austausch des Friedenskusses ist ein liturgischer Akt, ein mystisches Zeichen der Einheit.  Plaudern und Gesellschaft kommt später.  6. Gesegnetes Brot und konsekriertes Brot Nur orthodoxe Christen dürfen die Kommunion empfangen; aber jeder kann etwas von  dem gesegneten Brot erhalten. Denn so verhält es sich damit: Der runde Brotlaib, der für  die Eucharistie bestimmt ist, gebacken von jemandem aus der Gemeinde, trägt ein vor  dem Backen eingedrücktes Siegel. In der Vorbereitung auf die Liturgie schneidet der  Priester aus dem mit dem Siegel versehenen Brotlaib einen Teil heraus und sondert ihn  aus; dieser wird das "Lamm" genannt. Der Rest des Brotes wird in Stücke geschnitten, in  einen Korb gelegt und vom Priester gesegnet.  Während des eucharistischen Hochgebets wird das Lamm gewandelt zum Leibe Christi  und der Kelch mit Wein gewandelt zu Seinem Blut. Und jetzt kommt das Erstaunliche:  der Priester setzt das "Lamm" hinein in den Kelch mit Wein. Wenn wir die Kommunion  empfangen, reihen wir uns vor dem Priester auf, öffnen unseren Mund weit, wenn wir  vor ihm stehen und er reicht uns ein Stück des weingetränkten Brotes mit einem  goldenen Löffel. Gleichzeitig spricht er ein Gebet über uns, in dem er unseren Vornamen  nennt, oder den Heiligennamen, den wir wählen, wenn wir getauft oder gesalbt werden  (aufgenommen werden in die Kirche, gesalbt mit geweihtem Öl).  Wenn wir vom Priester weggetreten sind, steht dort ein Altardiener mit dem Korb des  gesegneten Brotes. Die Leute nehmen ein Stück für sich selbst heraus und für Besucher  oder Nicht-orthodoxe Freunde um sie herum. Wenn dir jemand ein Stück gesegneten  Brotes reicht, gerate nicht in Panik; es ist nicht der eucharistische Leib. Es ist ein  Zeichen der Gemeinschaft.  Besucher sind manchmal verärgert, dass ihnen nicht erlaubt ist, die Kommunion zu  empfangen. Orthodoxe glauben, dass ‚die Kommunion empfangen' mehr bedeutet als ‚Ich  und Jesus'; es bekennt den Glauben an die überlieferte orthodoxe Lehre, den Gehorsam  zu einem bestimmten orthodoxen Bischof und eine Verpflichtung für eine bestimmte,  den orthodoxen Gottesdienst feiernde Gemeinschaft. Daran ist nichts Exklusives.  Jedermann ist eingeladen, sich zur orthodoxen Kirche zu bekennen. Aber die Eucharistie  ist der Schatz der Kirche und denen vorbehalten, die eins sind mit der Kirche. Als  Analogie könnte man die ehelichen Beziehungen anführen, die der Zeit nach der  Eheschließung vorbehalten sind.  Wir behandeln außerdem die Eucharistie mit größerem Ernst, als es viele  Denominationen tun, was weiter erklärt, warum wir keinen allgemeinen Zugang zur  Eucharistie gewähren. Wir glauben, dass sie der wahre Leib und das wahre Blut Christi  ist. Wir selbst empfangen die Kommunion nicht, ehe wir nicht in einer regulären Beichte  einem Priester unsere Sünden bekannt haben und im Frieden sind mit den anderen, die  kommunizieren. Wir enthalten uns von allem Essen und Trinken - ja, sogar einer  morgentlichen Tasse Kaffee - von Mitternacht an vor dem Empfang der Kommunion.  Das führt uns zum allgemeinen Punkt des Fastens. Wenn Neulinge die orthodoxe Praxis  einüben, ist deren gewöhnliche Reaktion " Das ist ein Scherz?” -  .
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The Orthodox Church is evangelical, but not Protestant. It is orthodox, but not Jewish. It is catholic, but not Roman. It isn’t non-denominational – it is pre-denominational. It has believed, taught, preserved, defended and died for the Faith of the Apostles since the Day of Pentecost 2000 years ago. Die Orthodoxe Kirche ist evangelisch, aber nicht Protestantisch. Sie ist orthodox, aber nicht Jüdisch. Sie ist katholisch, aber nicht Römisch. Sie ist nicht non-konfessionell - sie ist vor-konfessionell. Sie glaubt, lehrt, bewahrt, verteidigt und stirbt für den Glauben der Apostel seit dem Tag des Pfingstfestes vor 2000 Jahren. von:  Our Life in Christ
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